Führungsdialog

Martin Werthmüller, CEO, Spital Uster

«BrainE4 lässt einen echten, dynamischen Dialog zu.»
Nach einer finanziell angespannten Phase steht das Spital Uster wieder auf stabilen Beinen. Doch wie nimmt man eine ganze Kaderebene mit auf den Weg von der Krisenbewältigung hin zur aktiven Zukunftsgestaltung? Martin Werthmüller, CEO des Spitals Uster, entschied sich für einen innovativen Weg: Den digitalen Konsens-Dialog von BrainE4. Das Resultat überzeugte auch Zweifler: Überraschende Erkenntnisse aus der Kaderbefragung führten zu konkreten Massnahmen für eine gestärkte Führungskultur.
Herr Werthmüller, das Spital Uster hat eine anspruchsvolle Transformation hinter sich. Was hat Sie dazu bewogen, das Kader aktiv in diesen Prozess einzubinden?
Martin Werthmüller: Das Spital Uster hat finanziell eine schwierige Phase hinter sich, in der es vor drei Jahren darum ging, das Spital überleben zu lassen. Inzwischen stehen wir gut da, haben uns finanziell erholt und stabilisiert. Für mich stellte sich damit eine fundamentale Fragestellung: Wie nehme ich unsere Kaderebene mit in diese neue Phase? Der Wechsel weg vom «Überlebenskampf» hin zum Gestalten und Entwickeln bringt ganz andere Anforderungen mit sich. Mir war es wichtig, nicht einfach nur intern anzunehmen, was die Themen sein könnten, sondern auf gute und umfassende Weise zu erfahren, was unsere 115 Führungskräfte im Alltag bewegt, unterstützt oder bremst.
Man hört in Führungsetagen oft das Wort «Problem». Sie bevorzugen einen anderen Begriff.
Martin Werthmüller: Absolut. Ich bezeichne es lieber als Fragestellung oder als aktuelle Situation. Wir wollten kein Fehlersuchen veranstalten, sondern ein umfassendes, ehrliches Bild unseres Führungsalltags erhalten, und zwar so effizient und sichtbar wie möglich.
«Einige meiner Hypothesen wurden durch bessere Kader-Aussagen ersetzt.»
Wie sind Sie dabei auf die Methode von BrainE4 gestossen?
Martin Werthmüller: Im Austausch mit Andreas Seonbuchner habe ich gemerkt, dass er genau für diese Fragestellung das richtige Instrument entwickelt hat. Bei herkömmlichen Befragungen beantwortet man meist eine gewisse Anzahl vorgegebene Fragen mit Ja oder Nein und dann ist die Sache abgeschlossen. BrainE4 geht einen völlig anderen Weg: Es lässt einen echten, dynamischen Dialog zu. Wir haben als Geschäftsleitung eigene Hypothesen vorgegeben. Die Teilnehmenden konnten diese bewerten, vor allem aber eigene Thesen, Argumente und Beispiele einbringen, die wiederum mit anderen Kadern gespiegelt wurden. Das ist eine sehr gute Art, einen solchen Dialog zu gestalten.
Wie haben Ihre Führungskräfte auf diese neuartige Befragungsform reagiert?
Martin Werthmüller: Für das Kader war das natürlich neu und gewöhnungsbedürftig. Bisher war man es gewohnt, eine Befragung einmalig auszufüllen. Bei BrainE4 entwickelt sich die Diskussion mit der Zeit. Man muss mehrmals einsteigen, den Dialog reaktivieren und neue Inputs anschauen. Das erforderte anfänglich etwas Aufklärungsarbeit und Motivation, hat sich aber am Schluss hervorragend ausbezahlt.
«Eigene Kader-Ideen lagen oft viel näher am eigentlichen Kern.»
Mit welchem Ergebnis bezüglich der Beteiligung?
Martin Werthmüller: Von 115 angefragten Kadermitgliedern haben 85 aktiv teilgenommen, das entspricht einer Quote von fast 74 Prozent. Für eine neuartige Befragungsform ist das ein sehr gutes Resultat. Damit haben wir drei Viertel der Führungskräfte erreicht und somit eine klare Mehrheit. Das verleiht den Ergebnissen für mich eine extrem hohe Belastbarkeit.
Welche Dynamik hat sich während der mehrwöchigen Befragungsphase entwickelt?
Martin Werthmüller: Es war faszinierend zu beobachten, wie sich das System entwickelte. Viele unserer ursprünglichen Hypothesen wurden durch viel bessere, präzisere Aussagen aus den Reihen des Kaders ergänzt oder ersetzt. Die Kaderpersonen brachten eigene Beispiele und Ideen ein, die viel näher am eigentlichen Kern lagen als meine eigenen Annahmen im Vorfeld. Parallel dazu gab es Live-Rückmeldungen im Haus.
«Mein persönlicher positiver Kipppunkt war das Live-Erlebnis im Betrieb.»
Gab es während der mehrwöchigen Befragungsphase einen bestimmten Kipppunkt, an dem Sie merkten: «Jetzt funktioniert es wirklich»?
Martin Werthmüller: Für mich gab es zwei entscheidende Momente. Ich wusste nicht, wie die Angesprochenen das Format annehmen würden. Als Andreas Seonbuchner mir dann regelmässig die Kennzahlen spiegelte, sah ich Schwarz auf Weiss, wie die Beteiligung förmlich anfing, sich zu potenzieren. Der eigentliche Kipppunkt war für mich aber das Live-Erlebnis im Betrieb: Auf den Gängen, in Meetings und beim Mittagessen hörte ich plötzlich eins zu eins, wie das Kader die Inhalte diskutierte. Da wusste ich: Der Dialog läuft nicht nur digital, er ist im Alltag angekommen.
Gab es auch kritische Töne, die Sie besonders beschäftigt haben?
Martin Werthmüller: Ich war beeindruckt von der Offenheit und der konstruktiven Haltung. Man hat sich wirklich getraut, auch kritische Rückmeldungen zu geben. Zum Beispiel gab es die Aussage, dass das obere Kader trotz der überschaubaren Grösse des Spitals zu weit weg von der Basis sei. Das ist vielleicht auf den ersten Blick keine angenehme Rückmeldung, aber extrem relevant. Ich habe solche kritischen Stimmen bei der Ergebnispräsentation im O-Ton gezeigt und gesagt: Das ist eine wichtige Stimme für mich als CEO und für uns als Geschäftsleitung. Das zeigt auch, dass wir eine gute Kultur haben, in der solche Aussagen Platz finden.
1/2
«Methodik und Betreuung waren hervorragend.»
Wie haben Sie die Fülle an Daten für das Kader aufbereitet?
Martin Werthmüller: Ich habe die Ergebnisse in vier zentrale Führungsfelder geclustert: Klar entscheiden, Verlässlich kommunizieren, Konsequent umsetzen und Gemeinsam als Kader führen. Zu jedem Feld haben wir Originalzitate abgebildet und kommentiert. Diese Transparenz kam sehr gut an, weil sich die Teilnehmenden in den Resultaten direkt wiederfanden.
Welche konkreten Schritte haben Sie aus den Dialogergebnissen abgeleitet?
Martin Werthmüller:

Die Befragung diente als direkte Grundlage für unsere jährliche Kadertagung. Innerhalb von nur vier Stunden konnten wir im Workshop aus den Dialogergebnissen ganz konkrete Massnahmen erarbeiten.

Eine der sofort sichtbaren Initiativen ist das neue Format «Im Gespräch mit dem CEO»: Einmal im Monat reserviere ich ein Sitzungszimmer für eine Stunde. Mit Kaffee, Orangensaft und Gipfeli sitze ich dort und wer möchte, kann unangemeldet vorbeikommen. Einfach ein direkter Austausch.

Wie wird dieses Angebot von den Mitarbeitenden angenommen?
Martin Werthmüller: Die Mitarbeitenden kommen. Das zeigt mir, dass ein echtes Bedürfnis da ist. Und selbst wenn die Anzahl Teilnehmenden noch überschaubar ist: Die Mitarbeitenden gehen nachher raus und erzählen es weiter. Es setzt ein starkes Signal der Nahbarkeit.
«BrainE4 eignet sich für jede offene Fragestellung.»
Gab es weitere operative und strategische Massnahmen?
Martin Werthmüller: Ja, wir haben festgestellt, dass im ganzen Projektportfolio-Management relativ viel Energie unnötig verbraucht wurde, weil Unklarheiten bei Entscheidungen und Prozessen bestanden. Hier haben wir zwei, drei ganz konkrete Massnahmen formuliert. Zudem entwickeln wir ein massgeschneidertes Programm «Führungsweiterbildung Spital Uster 2027», um ein einheitliches Führungsverständnis zu schulen, eine Grundidee, die durch den BrainE4-Dialog stark gestützt wurde.
Online-Dialog:
85
 
Digitale Interviews
74
%
 
Teilnahmequote
Das Spital kam ja aus einer finanziell angespannten Zeit. Können Sie jetzt noch zusätzlich Einsparungen vornehmen?
Martin Werthmüller: Nein, das war nicht der Fokus. Es ging mir wirklich darum, Wirksamkeit im Spital Uster zu entfalten, als Kadergremium klar entscheiden, verlässlich kommunizieren, konsequent umsetzen und gemeinsam führen zu können. Genau diese vier Führungsfelder waren der Massstab, nicht das Budget.
Manche Führungskräfte befürchten bei so offenen Formaten, eine «Büchse der Pandora» zu öffnen. Wie sehen Sie das?
Martin Werthmüller: Man muss als CEO bereit sein, Dinge zuzulassen und eine Dynamik auszuhalten, die man nicht mehr zu 100 Prozent selber steuern kann. Aber genau das bringt ein Unternehmen weiter! Alles andere führt nur dazu, dass man hört, was man gerne hören möchte. Wenn kritische Themen auf den Tisch kommen, ist das kein Risiko, sondern eine Chance, Dinge anzupacken, die vielleicht in der Vergangenheit zu kurz gekommen sind.
Ihr persönliches Fazit zur Zusammenarbeit mit Andreas Seonbuchner und BrainE4?
Martin Werthmüller: Für mich hat es sich sehr gelohnt, dieses «Experiment» einzugehen. Die Methodik und die Betreuung durch Andreas Seonbuchner waren hervorragend. Die Teilnahmequote zeigt, dass die Art des Dialogs bei den Kadermitarbeitenden sehr guten Anklang gefunden hat, und ich konnte in überschaubarer Zeit zu belastbaren Ergebnissen gelangen.
Können Sie sich vorstellen, das Instrument auch in anderen Bereichen einzusetzen?
Martin Werthmüller: Auf jeden Fall. BrainE4 eignet sich für jede Fragestellung, bei der man systematisch Stimmungen und Ideen abholen möchte. Für das Spital Uster kann ich mir gut vorstellen, solche Prozesse künftig auch mit externen Schlüsselgruppen wie den zuweisenden Ärztinnen und Ärzten oder sogar mit Patientinnen und Patienten durchzuführen.
Interview: thk
2/2
Zwanzig Minuten genügen

Sagen Sie uns, was Sie entscheiden müssen.

FOLGEN SIE UNS

100 % Swiss Made


Copyright © 2026 BrainE4